Preiserhöhungen während des Auftrags: so gehen Sie damit um
Sie haben ein Angebot abgegeben, der Kunde hat unterschrieben — und dann steigen die Materialpreise. Oder der Subunternehmer erhöht seine Preise. Oder die Lieferzeit verdoppelt sich und Sie müssen teurer einkaufen. Das ist kein Einzelfall — seit 2021 gehören Preissteigerungen zum Alltag auf deutschen Baustellen.
Diese Seite zeigt, wie Sie sich schützen und professionell mit Preiserhöhungen umgehen.
wann Sie Preiserhöhungen weitergeben können
| Situation | Weitergabe möglich? | Grundlage | Hinweise |
|---|---|---|---|
| VOB-Vertrag mit Stoffpreisgleitklausel | Ja | Vertragsklausel | Standardklausel bei öffentlichen Aufträgen |
| BGB-Vertrag ohne Klausel, Preissteigerung > 20 % | Möglicherweise | § 313 BGB (Störung der Geschäftsgrundlage) | Einzelfallprüfung — anwaltliche Beratung empfohlen |
| BGB-Vertrag ohne Klausel, Preissteigerung < 20 % | Schwierig | Allgemeines Geschäftsrisiko | Muss in der Kalkulation abgefangen werden |
| Angebot noch nicht angenommen | Ja | Angebot aktualisieren | Bindefrist im Angebot kurz halten (4 Wochen) |
praktische Strategien
- Bindefrist kurz halten. Angebote mit einer Bindefrist von maximal vier Wochen versehen. Danach können Sie aktualisieren. Bei volatilen Materialien (Stahl, Holz, Kupfer) sogar nur zwei Wochen.
- Preisgleitklausel einbauen. In Ihre AGB oder Ihren Vertrag eine Klausel aufnehmen, die Preisanpassungen bei Materialpreisänderungen über einem bestimmten Prozentsatz (z.B. 5 %) erlaubt. Von einem Anwalt formulieren lassen.
- Material frühzeitig bestellen. Wenn Sie den Auftrag haben und die Preise absehbar steigen, bestellen Sie das Material sofort. Lagern ist billiger als Preissteigerung.
- Transparent kommunizieren. Wenn Preise steigen, informieren Sie den Kunden sofort mit Nachweis (Lieferantenrechnung, Preisliste). Kunden akzeptieren Preissteigerungen eher, wenn sie nachvollziehbar sind.
Preisrisiko in der Kalkulation abbilden
Die beste Strategie ist, Preisrisiken von Anfang an in die Kalkulation einzubauen. Materialien mit stabilen Preisen (Gipskarton, Standardfliesen) sind Niedrig. Materialien mit volatilen Preisen (Kupfer, Holz, Stahl) sind Mittel bis Hoch. Wenn Sie diese Risikostufen in Ihre Kalkulation einfließen lassen, haben Sie einen Puffer, der normale Schwankungen auffängt — ohne den Kunden zu überraschen.